An den
Deutschen Gewerkschaftsbund
Bundesvorstand

Kollegen Michael Sommer
Per Mail: info.bvv@dgb.de

Hamburg, den 29.09.2010

Betr.: DGB-Bildungsstätte Hamburg-Sasel

Lieber Kollege Michael Sommer,

ich wende mich an Dich, weil ich mir von Dir Hilfe erhoffe und andere Wege bisher nicht erfolgversprechend waren.

Worum geht es?

Mitte 2009 erfuhr ich am Rande eines von mir besuchten Seminares in der DGB-Bildungsstätte in Hamburg-Sasel, dass der weitere Betrieb der Bildungsstätte gefährdet sei, weil der Pächter den Vertrag nicht mehr verlängern wollte. Aus meiner Sicht wäre dieses für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit fatal. Die Arbeitsrechtsseminare in dieser Bildungsstätte haben neben der Vermittlung von Grundlagenwissen einen handlungsorientierten Ansatz, der weit über die ansonsten stattfindenden gewerkschaftlichen Grundseminare hinausgeht. Und in Verbindung mit einem eigenen Tagungsbetrieb wird dieser Ansatz durch Austausch der Teilnehmenden untereinander in einem Maße gefördert und verstärkt, wie es in einem Hotelbetrieb nicht möglich wäre.

Daraufhin habe ich mich mit Kolleginnen und Kollegen zusammengesetzt und überlegt, was man machen könne, um eine DGB-Bildungsstätte in Hamburg zu erhalten und damit sowohl die Beschäftigten einerseits und das DGB-Bildungswerk andererseits zu unterstützen. Daraus ist dann ein Förderkreis geworden, der zwischenzeitlich etwa 2.500 Unterschriften für den Erhalt sammeln konnte.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass es auch fester Wille des DGB sei, in diesem Sinne zu agieren. So war ja auch die Information im Programmheft des DGB-Bildungswerkes zu verstehen: Keine Aufgabe des Standortes Hamburg, Suche nach Lösungsmöglichkeiten.

An dieser Suche haben wir uns aktiv beteiligt und verschiedene Gedanken entworfen. So z.B. die Möglichkeiten, die Bildungsstätte durch Kooperationen mit Einzelgewerkschaften zu halten oder zu überlegen, ob im Rahmen der derzeit anstehenden Planungen für die IBA / Internationale Bauausstellung in Hamburg in 2013 / eine Bildungsstätte dort integrierbar wäre.

Erleichtert waren wir, als uns die Information erreichte, dass der bisherige Pächter den Vertrag verlängern wollte. Wir gingen davon aus, dass der Erhalt nun zunächst einmal gesichert war, auch wenn es nur eine gewisse Zeit wäre. Denn so bliebe die Möglichkeit, nach weiteren Lösungsansätzen zu suchen.

Überrascht waren wir von der aktuellen Situation, dass bereits am nächsten Montag, dem 04.10.10, der Vorstand des Bildungswerkes über das „Aus“ der Bildungsstätte beschließen will. Hierfür kann es viele Gründe geben, so auch betriebswirtschaftliche. Denn es ist uns durchaus bekannt, dass einerseits viele gewerkschaftsungebundene Anbieter in den letzten Jahren auf den Markt drängten, andererseits die Bereitschaft von Betriebsräten, ihre Mitglieder zu gewerkschaftlichen Grundlagenseminaren zu entsenden, geringer wird. Auf diese Situation muss es Antworten und Lösungen geben, die gemeinsam und solidarisch mit den Einzelgewerkschaften und daran Interessierten gefunden werden können. Doch ohne einen solchen Versuch, ohne eine Zusammenarbeit zu suchen, ohne Möglichkeiten der Lösung auszutarieren das „Aus“ der Bildungsstätte in Hamburg zum 31.12.2011 beschließen zu wollen ist aus meiner Sicht empörend.

Zumal nicht nur eine gewerkschaftspolitische Bildungskonzeption mit weit in die Unternehmen hineinstrahlenden Wirkungen daran hängt, sondern auch die Arbeitsverhältnisse der jetzt dort Beschäftigten, die zum größten Teil vor dem Hintergrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation in Hamburg in die Arbeitslosigkeit und letztlich in die Armutssituation von Hartz IV abgeschoben werden.

Nur am Rande sei erwähnt, dass selbst nur die Gesprächsbereitschaft auf Seiten des DGB-Bildungswerkes, gelinde gesagt, zu wünschen übrig lässt.

Lieber Kollege Michael Sommer,

wissend, dass Du mit vielen anderen Aufgaben beschäftigt bist, bitte ich Dich darum,

Dich dafür einzusetzen, dass der vorgesehene Beschluss des Vorstands des DGB-Bildungswerks am 04.10.10 vertagt wird und
es zu einem Gespräch mit allen Beteiligten kommt, um ein gewerkschaftliches Bildungswerk in Hamburg, und damit den Einfluss des DGB und seiner Einzelgewerkschaften durch die handlungsorientierte Bildung im Arbeitsrecht in den Betrieben, zu erhalten.

Mit kollegialen Grüßen

Olaf Harms
Betriebsratsvorsitzender
Mitglied ver.di und im
Landesfachbereichsvorstand FB 1 in Hamburg

 

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